Weltraumschrott

DOMINIK SUSTECK 
Weltraumschrott (2020)
für Orgel und Ensemble
Kompositionsauftrag von ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln
Uraufführung 9.5.2020 -verschoben-
Besetzung: 2 Fl, Klar, Fg, 2 Tr, Pos, 2 Vl, 2 Vla, 4 Vc, 3 Schlzg, 8 Pianisten und Orgel
Dauer: 10 Minuten

Sendung in WDR 3 (Termin noch nicht bekannt).

Hinweise des Komponisten im Video:

Musik ist immer Poesie

Weltraumschrott ist ein groß angelegtes Stück von circa 10 Minuten Dauer. Es orientiert sich von der Besetzung her an John Cage und den beiden Werken Winter Music und Atlas Eclipticalis. Daher kommen auch die acht Flügel zustande. Sie sollen aber nicht als normale Klaviere eingesetzt werden. Ihre Aufgabe ist eher die von großen Harfen, denn es wird größtenteils in den Flügeln gespielt.

Wie entsteht so eine Partitur? Das Format ist quer, um den Fluss der Zeit auch als Komponist besser erfahren zu können. Fläche, Vergehen, große Ereignisse bildet dieses Querformat ab. Die Musik ist am Anfang sehr isoliert, hat Pausen und wirkt, als stelle sie große Gegenstände in den Raum. Die Musik sollte am Anfang keine musikalisch dirigierbare Tempo-Zeit sein, sondern vergehende Zeit, also Sekunden-Zeit.

Die Musik schwingt sich etwas zwischen Holzbläsern, Blechbläsern und Streichern ein. Man weiß als Hörer nicht genau, was los ist, die Musik ist in einer mittleren Lage, in einer mittleren Lautstärke und wirkt etwas undefiniert. Wenn man es farblich ausdrücken würde, würde man sagen, die Musik spiele sich in einem mittleren Grau ab.

Dann kommt ein großer Cluster der Orgel mit allen weißen Tasten. In diesem freundlichen diatonischen Cluster breiten sich verschiedene Instrumente aus. Das geht flächig über fast 30 Sekunden – hier bildet sich eine große Weltraumzeit ab, das Ewige, das nicht kleingliedrige Denken, sondern die große Weite kann erfahren werden.

Was ich besonders schön finde, sind die Glissandi beispielsweise der Streicher. Normalerweise spielen die Streicher ja eher gerade Töne. Hier spielen sie wunderschöne Glissandi, also verändern stufenlos die Tonhöhe. Im Schlagzeug befindet sich eine Handsirene und eine große Windmaschine, die ebenfalls Glissandi spielen.

Dann gibt es verschiedene Dinge, die darauf reagieren. Zum Beispiel gibt es eine Stelle mit maschinenartiger Struktur. Auf einmal gibt es Wiederholungen eines 7 16tel Taktes. Man denkt an irgendwelche Dinge, die im Weltraum vonstatten gehen. Auf einmal geschieht Aktivität. Dies wird nicht näher definiert. Denn Musik ist immer Poesie. Sie soll nicht eins zu eins irgendwelche Dinge darstellen, sondern erweitert die Perspektive durch das Hören.

Sie muss nicht irgendetwas abbilden, wie beispielsweise den Mond, sondern sie ist ganz frei und offen. Weltraumschrott ist dabei nur ein Titel, der aber starke Assoziationen hervorruft, jedoch ohne einzuengen. Er regt die Fantasie an, zu überlegen, was hier sein könnte. Dies geht dem Komponisten auch so. Dieser versucht, es originell auszufüllen. Der Komponist möchte wirklich 10 Minuten originelle Musik schreiben. Das ist sozusagen dann Komposition. Ich hoffe es wird den Hörern viel Freude machen. Ich hatte sehr große Freude, die Musik zu schreiben, wir hatten sehr große Freude, es als Musiker zu produzieren zu dürfen für das Acht Brücken Festival in Köln und den WDR. Dies mit einem richtigen Tonmeister in verschiedenen Gruppen aufgrund der Corona-Krise. Ich hoffe das es dann bald im WDR 3 gesendet wird. Vielen Dank. Dominik Susteck

ON ALLSTARS
SARAH HEEMANN | Flöte
DANIEL AGI | Flöte
HENI HYUNJUNG KIM | Klarinette
CHRISTINA FUCHS | Bassklarinette
RAIK WEIDEMANN | Altsaxophon
ALEXANDAR HADJIEV | Fagott
PAUL HÜBNER | Trompete
UDO MOLL | Trompete
MATTHIAS SCHULLER | Posaune
ANNA NEUBERT | Violine
MILENA SCHUSTER | Violine
PAULINE BUSS | Viola
ANNEGRET MAYER-LINDENBERG | Viola
ANNE KRICKEBERG | Violoncello
MARIE SCHMIT | Violoncello
NIKLAS SEIDL | Violoncello
REBEKKA STEPHAN | Violoncello
ALBERTO CARNEVALE RICCI | Klavier
CLAUDIA CHAN | Klavier
DOROTHEE HADDENBRUCH | Klavier
DANIEL LORENZO | Klavier
FELIX KNOBLAUCH | Klavier
GREGOR SCHWELLENBACH | Klavier
MARTIN VON DER HEYDT | Klavier
JOVITA ZÄHL | Klavier
MA, SABRINA | Schlagzeug
ARTURO PORTUGAL | Schlagzeug
JENS RULAND | Schlagzeug
DOMINIK SUSTECK | Orgel
FLORIAN STADLER | Akkordeon

SUSANNE BLUMENTHAL | Dirigentin