Zeitfiguren

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Dominik Susteck: Zeitfiguren (2014) für Orgel | Spieldauer: 45 Minuten
Strahlen – Verschlungener Gang – Zeit – Leuchten – Akkordecho – Warten
48 Seiten, Booklet
Vorschau Noten als pdf (Auszug)

Aufführungstermine:
09.12.17 St. Peter, Köln
31.10.17 St. Peter, Köln
17.06.17 St. Antonius, Düsseldorf
31.05.17 Hospitalkirche, Stuttgart
27.01.17 Hochschule für Kirchenmusik, Regensburg
01.12.16 St. Johannes, Tübingen
04.11.16 Johanneskirche, Troisdorf
24.09.16 Liebfrauenkirche, Hamm
19.09.16 St. Peter und Paul, Ratingen
18.09.16 Erlöserkirche, Stuttgart
17.09.16 St. Peter, Köln
26.05.16 Kaiser Friedrich Gedächtniskirche, Berlin
29.04.16 St. Mariae Geburt, Aschaffenburg
28.02.16 Mülheim/Ruhr, St. Mariae-Geburt
01.11.15 Düsseldorf, St. Antonius
25.10.15 Warburg, St. Marien*
06.10.15 St. Peter, Köln
03.10.15 Frankfurt, Heilig-Geist
27.09.15 Bielefeld, Zionskirche
18.09.15 Rheda, St. Clemens*
11.09.15 Paderborn, Dom* (UA)

*Aufführungen des Erzbistums Paderborn

Ausführende: Tobias Aehlig, Simon Daubhäußer, Sebastian Freitag, Harald Gokus, Volker Karweg, Helga Lange (Erzbistum Paderborn) sowie Christof Pülsch (Bielefeld), Matthias Geuting (Essen), Michael Sattelberger (Stuttgart)

Zeitfiguren, Michael Sattelberger, Erlöserkirche Stuttgart

Die Komposition „Zeitfiguren“ entstand auf Anregung von Volker Karweg als Kompositionsauftrag des Erzbistums Paderborn, kuratiert von Prof. Paul Thissen. Die Komposition ist für die Sandtner-Orgel der katholischen Kirche St. Mariä-Heimsuchung in Warburg konzipiert, soll aber an verschiedenen Orgeln im Erzbistum Paderborn uraufgeführt werden. Sie lässt sich auf zweimanualigen Instrumenten mit Schwellwerk spielen.

Werkkommentar des Komponisten

I. Strahlen

Welche Strahlen sind gemeint? Sind es sich öffnende Räume, die ins Unendliche führen? Sind es leuchtende und tupfende Melodien, die ihrem Schatten folgen? Ist es die heiße Berührung einer Sonne, die selbst Granit zum Schmelzen bringt? Oder ist es der Weg über unabsehbare Tiefe, die wie ein Abgrund unter der Musik lauert?

II. Verschlungener Gang

Melodien wandeln sich, bleiben stehen, klingen aus der Ferne. Sie verschlingen sich umeinander, verirren sich in anfangslosen Verstrickungen, beantworten und befragen sich. Sie nehmen aufeinander Bezug, sie treffen sich oder versuchen, sich aussichtslos zu treffen. Ihre Klänge rufen einander zu, wie tausendfache Spiegel gebrochen, weite Rufer, die unter sich den warmen Urgrund spüren.

III. Zeit

Die Zeit klopft, tickt wie eine Uhr, wird gemessen. Sie zerfließt, zerrinnt, und doch steht sie. Sie zergeht in Energie und ist nur mit Ordnung messbar. Durch Meditation wird die Zeit gewaltig stark, berstend, wie der eigene Herzschlag. Im Schnellen jagt sie sich, wird flüchtig und vergeht, als gäbe es sie nie.

IV. Leuchten

Was an der Musik sieht aus als ob es steht, obwohl es zerfließt? Es sind Klänge, die den Raum ausleuchten. Sie werden kommentiert, immer wieder, in einem ewigen, sich variierenden Ostinato. Immer sagen sie etwas, eindringlicher, hoch und tief, lang und breit. Doch dort erscheint etwas anderes, etwas Neues. Es leuchtet, färbt und brennt, als wolle es auf der Stelle stehen, wohl wissend, das es dort nicht bleiben kann.

V. Akkordecho

Der Akkord baut sich auf, strahlt, schält sich und reibt sich. Er blättert ab und lässt feine Linien zurück, wie Fußabdrücke, die sich bald verflüchtigen. Er türmt sich auf, zerspringt, um sich dann zu besinnen und in das Verborgene zurückzukehren.

VI. Warten

Das Warten ist geduldig. Die unentrinnbare Zeit holt uns ein. Es ist ein freundliches und zugleich ernstes Warten. Zwei Klänge wechseln sich ab und tauchen alle anderen Klänge in ein warmes Licht. Das Warten ist ein grenzenloses Akzeptieren, das immer weiter führt.

Auszug aus dem Vorwort von Hans-Josef Becker, Erzbischof von Paderborn:

»Dominik Susteck hat sein Werk mit dem Titel „Zeitfiguren“ versehen. Das Zeit-Problem nimmt im philosophisch-theologischen Diskurs bekanntermaßen einen prominenten Platz ein. Während „Ewigkeit“ zu den zentralen Attributen Gottes gehört, ist das menschliche Leben begrenzt, nach christlichem Zeitverständnis eingebunden in die eschatologische Spannung von „Schon“ und „Noch nicht“. Dass der ewige Gott auch in diesem Zwischenraum erfahrbar ist, bringt Ignatius von Loyolas Diktum „Gott suchen und finden in allen Dingen“ zum Ausdruck; es liegt den einzelnen Sätzen als leitende Idee zugrunde. Satz I („Strahlen“) und IV („Leuchten“) können auf den Einbruch des Göttlichen verweisen, Satz II („Verschlungener Gang“) lässt die Erlebniszeit des Menschen assoziieren, Satz V („Akkordecho“) darf als Widerklang des himmlischen Jerusalem verstanden werden, und die Sätze III („Zeit“) und VI („Warten“) schließlich reflektieren die Unfassbarkeit der Zeit und die eschatologische Hoffnung des Individuums.«

Composition Commission of the Archdiocese of Paderborn/Germany

The composition „Zeitfiguren“ [„time-figures“] arose by an impulse of Volker Karweg as a commission of the Archdiocese of Paderborn, curated by Prof. Paul Thissen. The composition was conceived to the Sandtner-organ of the catholic church St. Marien in Warburg, but shall be performed on different organs in the Archdiocese of Paderborn. It can be played on two-manual instruments with a swell box.

Remarks of the composer

I. Strahlen [„rays“]

Which kind of rays are intended? Are they open spaces, which lead to infinity? Are they lightening and spotting melodies, that follow their own shape? Is it the hot touch of a sun, that even brings granite to melt? Or is it the way across unsuspecting deep, that lurks to the music like a chasm?

II. Verschlungener Gang [„engulfed path“]

Melodies change, stop, sound from the distance. They engulf each other, become lost in entanglements without beginning, replay and interview each other. They connect each other or try to strike hopelessly. Their sounds call out each other, like thousand of mirrors broken, far callers, that feel underneath the warm ground.

III. Zeit [„time“]

The time is knocking, ticking like a watch, is measured. It melts, fades away, but still it stagnates. It changes to energy and is just measurable in regulation. Within the meditation time becomes vastly strong, bursted like the own beat of heart. It hunts itself in quickness, becomes etherial and vanishes, as if it had never happened.

IV. Leuchten [„gleam“]

What on music looks like it would stagnate although it flows? It is sound, that illuminates space. It is commentated, again and again, in an eternal and varying ostinato. It always says something, emphatically, high and low, long and wide. But there is something else, something new. It shines, colors and burns, as it would be getting nowhere, knowing, that cannot stay there.

V. Akkordecho [„echo of chords“]
The chord builds itself, shines, peels and rubs itself. It peels flakes away and leaves fine lines, like footprints, that vanish soon. It banks up, burst and bethink of leaving into the hiding place.

VI. Warten [„waiting“]

The waiting is impatient. The inescapable time overtakes us. It is a friendly and serious waiting at once. Two sounds change and punge all the other sounds into a warm light. The waiting is an unlimited accepting, that leads on and on.